Zeitungen werden geschlossen – völlig normal – oder?

Die Frankfurter Rundschau gibt es nicht mehr. Die Financial Times Deutschland verschickt morgen die letzte Ausgabe. Für die Mitarbeiter dieser Pressehäuser sicher nicht einfach, vor allem so kurz vor Weihnachten. Das schlimme an der Sache, die jenigen, die dieses Dilemma eingebrockt haben, Neven Dumont oder Gruner und Jahr mit ihren Vorständen, sitzen weiterhin im Warmen. Gerecht ist das nicht.

Natürlich werden nun in den anderen Zeitungen lange Artikel über das aussterben des Qualitätsjournalismus geschrieben. Manche Kommentatoren sehen gar die Gesellschaft in Gefahr.
Und natürlich ist das böse Internet schuld. Stellt Informationen kostenlos zur Verfügung.
Was Qualitätsjournalismus eigentlich ist, steht nirgends. Die Gleichung lautet wohl, Zeitung = Qualität. Genau dieser Gedankengang ist grundlegend falsch.
Wenn Journalisten berichten, dass beim Schreiben eines Artikels im Redaktionssystem der Zeitung der Chefredakteur direkt korrigierend eingreift und den Inhalt kontinuierlich „entschärft“, ist die Qualität auf der Strecke geblieben. Dies geschieht jeden Tag, völlig normal.
Wenn Menschen, die unabhängige Presseobjekte unterstützen, schreiben, dass sie dies tun, weil sie dort gut recherchierte unverfälschte Informationen finden, macht dies die echten Probleme deutlich. Qualität und Journalismus scheinen häufig nicht mehr viel miteinander zu tun zu haben. Man muss schon sehr genau hinschauen.
Interessant ist, dass die Zeit jede Woche 1 kg Papier mit steigenden Abonnentenzahlen liefert. Qualität scheint sich zu lohnen.

Natürlich, weil ja die Gesellschaft betroffen ist, stellen nun die ersten Vertreter der Verlage Überlegungen an, wie es weitergehen könnte. Die satten Gewinne der Vergangenheit sind eingefahren, man ist zu träge um die eigenen Geshcäftsmodelle weiterzuentwickeln, also lasst uns doch die Verluste sozialisieren. Man spricht von öffentlich-rechtlichen Verlagen (so anscheinend bei den „Freunden der Zeitung“). Die Sprecherin der Linken fordert eine „staatsferne, öffentliche Finanzierung von Qualitätsjournalismus“ (taz vom 06.12.2012). Natürlich wird nicht verraten, was Qualitätsjournalismus ist.
Also nach den systemrelevanten Banken kommen nun die systemrelevanten Zeitungen? Entschuldigung, natürlich sind die Verlagshäuser gemeint. Neben der Deutschen Bank und der Commerzbank sollten Neven Dumont und Gruner und Jahr zukünftig systemrelevant sein. Anders ausgedrückt, unfähiges Management wird auf Kosten des Steuerzahlers weiter finanziert.

Bei alledem darf nicht vergessen werden, dass jedes Unternehmen lernen muss, in seinem Markt zu überleben. Das nennt man Anpassung an die Veränderungen des Marktes. Schafft ein Unternehmen dies nicht, geht es aus dem Markt. Die Aufgabe der Gesellschaft ist es, für die betroffenen Mitarbeiter zu sorgen, die in aller Regel für das Missmanagement nichts können.

Die Verlage haben es seit rund 20 Jahren versäumt, die Veränderungen des Marktes zur Kenntnis zu nehmen. Sie begreifen nicht, dass Menschen heute, vor allem jüngere, in anderen und vor allem mehr Formen Informationen aufnehmen und verarbeiten. Als ich vor rund 20 Jahren dies in einem Vortrag über die Zukunft Deutschlands deutlich machte, lachten viele, am lautesten die anwesenden Pressevertreter.

Wir müssen es als einen völlig normalen Vorgang betrachten, dass Unternehmen vom Markt verschwinden. Unsere finanziellen Ressourcen müssen wir in die betroffenen Mitarbeiter stecken, um diesen eine Zukunftsperspektive zu geben.

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