Sarrazin ein Marketinglehrstück

Gester ist das Buch von Thilo Sarrazin erschienen. Der Verlag kommt mit dem Nachdruck nicht nach. Die geplante Auflage von 25.000 wurde auf 150.000 versechstfacht. Die Autorenhonorare dürften so schätzungsweise von EUR 215.000,00 auf knapp 1,3 Mio. gestiegen sein.

Die zwei Wochen vor der Buchveröffentlichung sind also ein Lehrstück für Marketing. Der abgehalfterte SPD-Politiker, der im Bundesbankvorstand sein Gnadenbrot erhält, zeigt, dass er zumindest vom Verkauf in eigener Sache etwas versteht. Ohne Vorliegen des Buches ging ein Aufschrei durchs Land. Die Interviews wurden heiss diskutiert. So entstand eine Atmosphäre, des Lesenmüssens, um selbst beurteilen zu können. Dabei blieben zwar so einfache Dinge wie Ethik und Moral auf der Strecke. Das ist aber die Marke Sarrazin. Sein Vorgehen ist immer dasselbe.

Muss man das Buch nun lesen. Ich finde, nein. Es steht nichts neues drin. Wenn Herr Sarrazin wieder einmal die Abnahme der Durchschnittsintelligenz an der fehlenden Gebärfreudigkeit deutscher Mitbürgerinnen festmacht, so wird diese These durch ständiges Wiederholen nicht richtiger. Neu wäre gewesen, wenn Herr Sarrazin deutlich gesagt hätte, dass er als politisch Verantwortlicher in Berlin Mist gebaut hat, die falschen Entscheidungen getroffen hat und heute noch trifft.
Die Ursache für die Abnahme dessen, was Herr Sarazzin als Durchschnittsintelligenz bezeichnet, ist eindeutig wissenschaftlich belegt. In keinem Land der OECD ist Bildung so von der sozialen Herkunft abhängig, wie in Deutschland. Herr Sarrazin hat als Finanzsenator in Berlin massgeblich zu dieser Situation in Berlin beigetragen. Dies betrifft nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund sondern auch immer mehr deutsche Kinder aus der immer größer werdenden Schar derer, die an der Armutsgrenze leben.

Herr Sarrazin hätte bei einem besseren Realitätsbewusstsein ein großes Buch schreiben können. Wahrscheinlich wäre sein Ertrag dann wesentlich geringer ausgefallen. Warten wir also auf das nächste Sarrazin-Buch, mit dem er sein karges Salär als Bundesbankvorstand aufbessern will.

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