Duisburg – Trauer und Wut

Es ist Montag Abend. 2 Tage ist es her. 20 Menschen sind tot. Mehr als 500 wurden verletzt. Wenigstens 42 Menschen liegen noch in den Krankenhäusern.

Große Trauer erfasst einen. All die Angehörigen, Eltern, Frauen und Männer, Kinder, die einen nahe stehenden Menschen verloren haben. Fassungslos vor einem Ereignis stehen, das einfach zu früh kam. Tot ist nie sinnvoll und doch gehört er zu unserem Leben. Was schmerzt und schwelt ist dieses Unfassbare, dieses Unbegreifliche. Es war zu verhindern.

Und dann ist da Wut. Unbändige Wut. Auf Verantwortliche, die keine Verantwortung tragen wollen. Jetzt, wo der schlimmste Fall eingetreten ist. Die sich verschanzen hinter juristischen Plattitüden. Denen Ethik und Moral ein Fremdwort zu sein scheint.

Diese Pressekonferenz gestern Mittag. Keine Antworten, wo Antworten möglich gewesen wären. Stattdessen betretenes Schweigen. Hin- und herschieben der Mikrofone. Adolf Sauerland und Wolfgang Rabe, der Oberbürgermeister und sein Sicherheitsdezernent, die doch jede Entscheidung abgesegnet haben und alle Bedenken wegwischten. Keine Antworten. Den Opfern und deren Familien waren sie diese schuldig.
Rainer Schaller, der Gründer und Inhaber von McFitt, der doch unbedingt die Loveparade in eigenen Händen haben wollte, nun schweigt er. Ein kümmerlicher Auftritt.

Und heute am Montag geht es weiter. Zumindest hat das Innenministerium verstanden, dass die Duisburger Polizei nun nicht ermitteln kann und hat die Kölner Polizei für zuständig erklärt. Aber warum darf der Oberbürgermeister und der  Sicherheitsdezernent weiter seinen Dienst versehen. Herr Sauerland sagt, nur so könne er helfen. Man könnte meinen, nur so könne er helfen die Wahrheit zu vertuschen. Solange er weiter im Amt ist, ist er auch Chef der Beamten und der Akten. Das Beamtenrecht sieht in derartigen Fällen die Möglichkeit vor, einen Beamten bis zur Klärung zu suspendieren.
Warum geschieht das nicht? Warum werden Herr Sauerland und Herr Rabe nicht umgehend vom Dienst suspendiert als Verdächtige in einem Strafverfahren?
Warum reagiert das Regierungspräsidium nicht?
Und das macht wütend. Soll wieder mit den altbewährten Methoden alles unter den Teppich gekehrt werden?

Oder Prof. Dr. Michael Schreckenberg, seines Zeichens Physiker und Panik- und Stauforscher. Es gibt eine Reihe von Meldungen, die besagen, dass er bewusst zur Begutachtung eingeschaltet wurde von der Stadt Duisburg, um die Bedenken gegen die Veranstaltung wegen der Sicherheitsrisiken wegzuwischen. Zunächst machte er die Opfer verantwortlich, weil deren Verhalten so im Sicherheitskonzept nicht vorgesehen war. Eine Verhöhnung. Nun erklärt er, er habe nur den Stadtteil überprüft und auf das Risikos des Zugangs hingewiesen. Was stimmt denn nun?
Herr Professor ist nun empört, dass man ihn mit dem Tod von 20 Menschen in Verbindung bringt. Bei diesen Äusserungen  unmittelbar nach den Ereignissen doch verständlich.

Vor rund 40 Jahren lernte ich in einer Ausbildung des Jugendamtes der Stadt Stuttgart für Veranstalter von Konzerten, dass Zugänge und Abgänge stets zu trennen sind und die Notausgänge offen sein müssen. Diese simple Wahrheit hat man in Duisburg nicht gekannt?
Wir lernten weiter, dass bei Sperrungen wegen Überfüllung stets so zu sperren ist, dass keine Fallen entstehen, also die die nicht mehr rein kommen, weg kommen. Auch dies schien man in Duisburg nicht zu wissen.
Der Bezirksbürgermeister in Berlin, der dort die Loveparade zu verantworten hatte, berichtet in der TAZ, dass bei ihnen keine Absperrung höher als 1 Meter war, da diese im Notfall übersteigbar sein müssen. Hat Duisburg nie mit den Berliner Kollegen gesprochen?
Alle Fotos mit Zäunen zeigen hohe Bauzäune, teilweise mit Spitzen, die kaum zu überklettern sind, schon gar nicht im Notfall.

Und wenn das doch alles so offenkundig ist, kann man dann noch von Fahrlässigkeit reden. Wussten die Verantwortlichen, Herr Sauerland, Herr Rabe und Herr Schaller, tatsächlich nicht, dass diese Planung im Notfall tödliche Konsequenzen haben wird. Hat man dies tatsächlich nicht billigend in Kauf genommen, in der Hoffnung, dass schon nichts geschieht?
Wenn sie es aber billigend in  Kauf genommen haben, dann war es Vorsatz. Es wäre deshalb gut, wenn die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags ermitteln würde. Es besteht nun einmal der Verdacht, dass vorsätzlich zwingend notwendige Sicherheitsmassnahmen unterlassen wurden, um die Veranstaltung nicht zu gefährden.

Duisburg wird erst seinen Frieden als Stadt wiederfinden, wenn die wirklich Schuldigen, also die Verantwortlichen Köpfe in der Stadtverwaltung, bestraft wurden. Geschieht dies nicht, vielleicht weil es politisch opportun ist, wird es weiter schwelen und brennen und irgendwann sich entladen. Zu groß ist diese Wunde.

Ich trauere um jedes Opfer. Mein Mitgefühl gilt allen Angehörigen.

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