S21 geht nicht

neuer Bahnhof Stuttgart 21

Schöne enge Welt

S21 habe ich zunächst nicht beachtet. Dann dachte ich, schon wieder gegen alles, was neu sein könnte. Ich fing aber an, mich mit S21 zu beschäftigen. Und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Wie wurde ich zu einem erklärten Gegner?

Zunächst muss ich vorausschicken, dass für mich das Handeln von Unternehmen und Staat zwei Grundsätzen zu folgen hat. Zum Einen sind wirtschaftliche Grundsätze zu beachten. Dies bedeutet, die eingesetzten Gelder und sonstigen Ressourcen zielgerichtet und effizient einzusetzen. Zum Anderen müssen ethische und moralische Grundsätze Beachtung finden.Hierzu zählt, dass Leben und Gesundheit sowie fremdes Eigentum nicht gefährdet oder gar bewusst verletzt werden dürfen, um so den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.
Diese Regeln sind Basis unserer Kultur und unseres Zusammenlebens. Ich musste lernen, dass bei S21 diese Grundsätze nicht beachtet wurden.

Das Leben und die körperliche Unversehrtheit haben Verfassungsrang. Diese zu schützen stellt eine besondere Aufgabe für jeden dar.

Bis heute liegt von der Bahn kein Konzept vor, wie die Sicherheit in den Tunnels hergestellt werden soll. Es sollen rund 60 km Tunnel gegraben werden. Der längste soll 9 km haben. In diesem Tunnel würde ein Brand auf halber Strecke den sicheren Tod bedeuten, da das Löschwasser erst nach ca. 40 Minuten vor Ort wäre. Aus Kostengründen bleiben die Leitungen trocken. In der Schweiz stehen sie unter Druck. Der Sicherheitschef der Bahn stellte hierzu in der Schlichtung fest, dass in der Mitte des Tunnels kein Zug im Brandfall stehen bleibt.
Brennt es im Bahnhof haben Behinderte und Eltern mit Kinderwagen Pech. Die Rettung ist nur über Treppen möglich. Aufzüge, die im Brandfalle benutzbar wären wurden eingespart. Und um das Risiko zu erhöhen, erfolgt die Flucht über Treppen oder stehende Rolltreppen in den Rauch, der oben nicht besonders gut abziehen kann.

Oder die Frage des Anhydrids. Bis heute ist diese nicht beantwortet. Den Unterlagen der Bahn ist zu entnehmen, dass Bahnhof und Tunnels mitten durch die Anhydridschichten gebaut werden. Die Folge sind einsturzgefährdete Häuser bis hin zu Erdbrüchen. Große Löcher in der City von Stuttgart beleben das Stadtbild.
Wir durften, 25 km entfernt von Stuttgart, keine Geothermiebohrung einbringen, wegen des Anhydrids und der Heilquellen von Bad Cannstatt. 60 km Tunnels und ein unterirdischer Bahnhof mitten im Anhydrid in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Quellen stellen dann kein Problem dar?
Am Engelbergtunnel der A81 können wir die Folgen beobachten. Ständige Reparaturen im Tunnel und beschädigte Häuser darüber.

Oder die Neigung der Bahnsteige. Der Bahnhof passt nur unter die Erde, wenn die Neigung der Bahnsteige erhöht wird. Max. 2% sind zulässig, in Stuttgart sollen es 7-8% werden. Dies bedeutet, dass Rollenkoffer und Kinderwagen sich von allein in Bewegung setzen. Zusätzlich werden aber die Bahnsteige schmaler gebaut. Im Bereich von Treppen und Podesten verbleibt so sehr wenig Platz. Die Unfallgefahr potenziert sich so dramatisch.

Und wie sieht es mit dem dem zielgerichteten Einsatz unseres Geldes aus?
Der Stresstest stellte klar, dass der Bahnhof in Stuttgart vor allem eines können muss, Verspätungen abbauen. Dies begründet sich in den zu- und abführenden Gleissystemen, die eine pünktliche Abwicklung des Bahnverkehrs nicht ermöglichen. Vor allem Züge, die von Süden nach Stuttgart fahren bauen Verspätungen auf wegen der Überlastung der Gleise.
Das klingt schon nach Schilda. Wir bauen einen neuen Bahnhof, der in etwa die gleiche Leistung bringt wie der alte und das Angestrebte Mehr an Zügen kommt nicht, weil es die Gleise nicht zulassen.
Würde man das Geld zielgerichtet einsetzen, so müssten zunächst die Gleise leistungsfähiger ausgebaut werden. Vor allem, wenn der bestehende Bahnhof das angestrebte Mehr an Zügen auch verkraften kann.
Das Geld, unser Geld, wird offenkundig falsch eingesetzt.

Schliesslich stellt sich nun die Frage, ob der Ausstieg nicht zu teuer würde.
Ich meine, er ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. Wenn ich sehe, dass ich die angestrebten Ziele nicht erreiche, dass ein großer Teil der erheblichen Risiken nicht gelöst ist und wahrscheinlich auch nicht gelöst werden kann, dann ist jeder Cent, der weiter für die Umsetzung ausgegeben wird, hinausgeworfen.
Schadenersatzforderungen, von wem auch immer, werden weit weniger kosten, als die Umsetzung. Von den Schadenersatzforderungen in Zukunft bei Unfällen, die bei Umsetzung zu bezahlen wären, ganz zu schweigen.

Deshalb werde ich für das Ausstiegsgesetz stimmen. Für mich ist dies eine Frage der Vernunft.

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